Befreiung des Denkens

Das Europa des 16. Jahrhunderts war der Wendepunkt, der vom Mittelalter in die Moderne führte. Der mit Abstand wichtigste Unterschied zwischen den Jahrhunderten vor diesem Zeitpunkt und denen danach war die Tatsache, dass Millionen einfacher Menschen in ganz Europa lesen und schreiben konnten.

Das wichtigste Ereignis, das diesen Alphabetisierungsprozess auslöste, war Martin Luthers Bibelübersetzung vom Lateinischen in die Umgangssprache. Die neue Druckerpresse beschleunigte die Verbreitung von „Gottes Wort” unter Millionen Menschen in Europa.

Diese Befreiung des Denkens betraf nicht nur den Einzelnen, sondern befähigte ganze Nationen, sich in die Moderne zu katapultieren.

„Geschäft mit dem Glauben“ durch die Mittelalterliche Kirche

Zu Beginn des 16. Jahrhunderts war die mittelalterliche römische Kirche ein weltweites Imperium, das weite Teile der damaligen Welt beherrschte.

Ihr immenser Reichtum und ihre Macht gründeten auf der „Kontrolle über das menschliche Denken”, auf ihrem Anspruch, das „Monopol der Wahrheit“ in allen Bereichen des Lebens zu besitzen und den Zugang zum Himmel zu kontrollieren. Ihre wichtigste Einnahmequelle war der Verkauf von „Eintrittskarten“ zum Himmel in Form von Ablassbriefen.

Analphabentum, Indoktrination von ‚Sünden und Schuld‘, Beseitigung von Andersdenkenden – all das waren die Voraussetzungen dafür, dass die Mittelalterliche Kirche ihre Herrschaft mehr als 1000 Jahre aufrecht erhalten konnte.

Das mittelalterliche „Geschäft mit der Sünde“

Die mittelalterliche Kirche erfand eines der lukrativsten Betrugsgeschäfte in der Geschichte der Menschheit: das ‚Märchen‘, den Zugang zum Himmel zu kontrollieren. Mit dieser leeren Behauptung wurden Millionen Gläubige zu „Kunden“ gemacht, die bereit waren, mit ihrem letzten Geld eine „Eintrittskarte“ in den Himmel zu kaufen.

Im Laufe der Jahrhunderte perfektionierte die mittelalterliche Kirche dieses betrügerische Geschäftsmodell, u.a. indem sie

  1. alle Menschen von Geburt an als Sünder definierte;
  2. Geld als entscheidendes Mittel, um Vergebung für die Sünden und somit Zugang zum Himmel zu erlangen;
  3. mobile „Zahlstationen“ schuf, indem sie mithilfe der neu erfundenen Druckerpresse Ablassbriefe druckte.

Millionen Menschen sollen Analphabeten bleiben

Je größer der Betrug, desto dringender ist die Notwendigkeit, diesen aufzudecken. Die wirksamste Strategie ist es, Millionen Menschen – die Leidtragenden dieses Betrugs – das Erlernen von Lesen und Schreiben zu verwehren. Auf diese Weise konnten Millionen Menschen unterworfen und vollkommen abhängig gemacht werden von der Mittelalterlichen Kirche und ihren ‚Vertretern‘.

Die Aufrechterhaltung des Analphabetismus war eine entscheidende Voraussetzung für den Fortbestand des lukrativen Geschäfts mit dem Verkauf des „Schlüssels zum Himmel“.

Betrug verschleiern durch die „verschlüsselten“ Sprachen Lateinisch und Griechisch

Zur Verschleierung dieses gigantischen Betrugs nutzte die mittelalterliche römische Kirche „verschlüsselte“ Sprachen – Lateinisch und Griechisch. Diese Sprachen ermöglichten die Errichtung ihres Imperiums und die Kontrolle über die Menschen.

Die mittelalterliche Kirche bildete ihre Priester zu „Kontrolleuren“ aus. An Universitäten lernten sie die „verschlüsselten“ Sprachen, um die Kontrolle der Kirche über die Gesellschaft zu zementieren.

Während ihrer Herrschaft befeuerte die mittelalterliche Kirche die Sage, dass Gott nur Lateinisch spreche und ein einfacher Mensch, der des Lateinischen nicht mächtig ist, nur zu Gott mithilfe eines Übersetzers – d.h. eines Priesters – sprechen könne.

Um ihre Rolle als „Türsteher“ zu stärken, stellte die mittelalterliche Kirche sicher, dass das Wort Gottes, also die Bibel, nicht in Deutsch oder einer anderen gesprochenen Sprache gedruckt wurde.

Angst als Werkzeug der Kontrolle

Neben Analphabetentum ist die Verbreitung von Angst der effektivste Weg, Menschen zu kontrollieren und gegenüber ihren Herrschern gehorsam zu machen.

Das wirksamste Mittel der mittelalterlichen Kirche war die Darstellung Gottes als rachsüchtige Instanz, deren wichtigster Zweck die Bestrafung der Menschen auf Erden für ihre Sünden war.

Diejenigen, die keine Ablassgebühren zahlten, um ihre Sünden loszuwerden und den „Schlüssel zum Himmel“ zu erlangen, wurden von der Kirche mit einem Dasein im Fegefeuer oder der Hölle bedroht.

Durch die Perfektion ihres äußerst lukrativen „Geschäfts mit der Sünde“ war die mittelalterliche Kirche zu Beginn des 16. Jahrhunderts eine der reichsten und mächtigsten „Organisationen“ der Welt geworden.

Um ihre Macht zu bewahren, kontrollierte sie nicht nur Millionen von Gläubigen, sondern auch die Zivilgesellschaft und ernannte sogar die weltlichen Herrscher.

Luther deckte den Betrug durch die Kirche auf

Die Geschichte hat gezeigt, dass Veränderungen nur dann möglich sind, wenn das Volk die Notwendigkeit dafür sieht und den Wandel unterstützt. Die Reformation war keine Ausnahme. Martin Luther und die anderen Reformatoren:

  1. durchschauten die betrügerischen Absichten der mittelalterlichen Kirche;
  2. setzten das Volk in einer für alle verständlichen Sprache davon in Kenntnis;
  3. hatten den Mut, dies trotz aller ihnen drohenden Konsequenzen öffentlich zu machen.

Durch die Aufdeckung der betrügerischen Absichten der mittelalterlichen Kirche entstand die unvermeidbare Notwendigkeit, eine glaubwürdige, neue Kirche zu gründen. Diese neue, ‚protestantische‘ Kirche basierte auf der Schaffung einer direkten Beziehung zwischen dem Volk und Gott – indem die „Dolmetscher“ und „Torhüter des Himmels“ ausgeschaltet wurden.

Menschen sind Architekten einer neuen Kirche

Die Schlüsselbotschaft der Reformation war „Du kannst!“ und befähigte Millionen Menschen. Die wichtigsten Lehren waren:

  • Sola scriptura. Nur das Wort Gottes in der Bibel zählt. Keine kirchliche Gewalt ist mächtiger als das Wort Gottes.
  • Sola fide. Niemand muss für den Eintritt in den Himmel Geld zahlen. Als „Eintrittskarte“ genügt der Glaube an Gott.
  • Sola gratia. Gott ist nicht rachsüchtig. Er ist nicht darauf aus, die Menschen auf der Erde für ihre Sünden zu bestrafen. Im Gegenteil: Gott ist barmherzig und bereit, Sünden zu vergeben.

Jeder Gläubige wurde befähigt, zum „Laien-Priester“ und Architekten der neuen Kirche zu werden.

Eine ‚Welt ohne Analphabetentum‘

Ohne die Überzeugung, dass Analphabetentum und Unwissenheit nicht der „Wille Gottes“ sind, hätten sich die Reformatoren nicht entschlossen, sich gegen die mittelalterliche Kirche und die Herrscher der damaligen Zeit aufzulehnen.

Durch Beendigung des Missbrauchs durch die Mittelalterliche Kirche befreiten sie das ‚menschliche Denken‘ und setzten so das notwendige Potential frei, um den Weg vom Mittelalter in die Neuzeit zu beschreiten.